"Die Liebe als »einzig angemessene Dimension« der Person, von der [Papst Johannes Paul II.] spricht, ist nicht nur, passiv sozusagen, die Gewähr gegen die Instrumentalisierung des Menschen, gegen seinen Gebrauch als Mittel zum Zweck. Sie bedeutet auch, aktiv, daß der Mensch lieben muß, um er selbst zu sein. Weniger gefühlvoll formuliert: Er muß sich überschreiten, das Gehäuse seines Ich aufbrechen und verlassen. Auch darin ist »Person« etwas anderes als »Individuum«: Sie ist sozial, auf Gemeinschaft angelegt. Daß sie das verkennen, ist in Wojtylas Augen der gemeinsame Irrtum der feindlichen Brüder Individualismus und Kollektivismus. Beide halten den Menschen im Grunde für gemeinschaftsunfähig. Für den Individualismus ist der Nächste eine Bedrohung, bestenfalls ein notwendiges Übel, vor dem man die eigene Freiheit schützen muß. Und für den Kollektivismus ist der einzelne ein unsicherer Kantonist, der durch Zwangsmaßnahmen diszipliniert gehört. Daß Karol Wojtyla die marxistische Klassenideologie ablehnen mußte, versteht sich aus seiner Apotheose der Person von selbst. Aber man versteht auch, warum er mit dem liberalen Westen nie so recht warm geworden ist. Seine Sozialphilosophie will wirklich so etwas wie einen »Dritten Weg« beschreiben, zwischen Atomisierung und Herdendasein.
"Das christliche Menschenbild und die gentechnische
Veredelung des Menschen" - aus der Homepage von Günter Einbeck (http://www.aionik.de/)
Die christliche Lehre ist nicht in allem einfach zu verstehen, was sicherlich auch für andere Religionen gilt. Sie bedarf in Teilen der Erläuterung und Interpretation. Diese wurden in der Frühzeit der Kirche unter anderem von den "Kirchenvätern" gegeben, später von Reformatoren wie Luther. In unserer heutigen Zeit fehlt es nach meinem Gefühl in der Evangelischen Kirche an solchen, das Grundsätzliche betreffenden, auf die Bibel gestützten, zusätzlichen Lehraussagen, die es dem modernen, vielen Einflüssen ausgesetzten Menschen ermöglichen, das Wort Gottes besser zu begreifen. Dagegen gibt es sie in der Katholischen Kirche, zum Beispiel in Form der Papst-Enzykliken, von denen ich einige mit großem Interesse und weitgehender Zustimmung gelesen habe.
Aus verschiedenen Gründen gehöre ich zu den Bewunderern im April 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. Im folgenden gebe ich einen Auszug aus einem Buch über sein Menschenbild wieder:
(Jan Roß, "Der Papst. Johannes Paul II, Drama und Geheimnis", Alexander Fest Verlag, Berlin 2000; zitiert in: www.stauff.de/matgesch/dateien/katholischemathe.htm, ziemlich am Ende der Seite; Anfang etwas irritierend)
[...]
Sein liebstes Bibelzitat, aus dem Johannesevangelium, lautet: »Die Wahrheit wird euch frei machen.« Die Erkenntnis des Guten und die Entscheidung für das Gute machen den Menschen frei, weil er sonst nur ein Fähnchen im Wind ist, ein Spielball seiner Launen und Interessen - und Wachs in der Hand der anderen, der Durchschnittsauffassungen oder der herrschenden Ideologie einer Gesellschaft.
[...]
Denn das, was Johannes Paul II. unter »Person« versteht, der Mensch in seinen Bezügen nach allen Seiten, nach oben und nach innen, als geschichtliches und soziales Wesen, als Mutter, Vater oder Kind, als Liebender und Sterbender, als homo religiosus angesichts der Ewigkeit und als »Geheimnis« mit seiner unergründlichen Tiefe - dieser zugleich konkrete und rätselhafte, komplexe, mehrdimensionale Mensch kommt in der wasserreinen liberalen Weltsicht gar nicht vor. An seiner Stelle steht das Individuum, ein nacktes und isoliertes Konstrukt, ein von Hause aus bindungsloses Sozialatom, das sich nachträglich mit anderen ebensolchen Atomen in ein Verhältnis setzt, durch Vereinbarung und Vertrag. Die Gesellschaft, die auf diesem Wege entsteht, die Familien- und Arbeitsbeziehungen, die Wirtschaftsformen und staatlichen Gesetze lassen sich nicht mehr daran messen, ob sie »dem Menschen gemäß« sind. Schon die Frage steht unter Fundamentalismusverdacht; wer so redet, scheint sich ein privilegiertes Wissen anzumaßen und den anderen seine Wertvorstellungen aufzudrängen. Für den guten Liberalen geht es in den Ordnungen des Zusammenlebens nur darum, daß alles formal korrekt zustande kommt, unter Einverständnis der beteiligten Sozialatome. Was sie dabei miteinander und mit sich selbst anstellen, bleibt, ein Minimum an Rechtsgehorsam vorausgesetzt, ihnen allein überlassen."
Über den Papst, direkt:
Ioannes Paulus PP. II Karol Wojtyla sowie
25. Pontifikatsjubiläum
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"Wir brauchen neue Bilder von Gott, die in unsere Welt passen" - interessante Feststellungen und Denkansätze eines Pfarrers der reformierten Kirchgemeinde Solothurn (Schweiz)
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