Lösegeldtheorie
Die klassische Theorie (wie bei Origenes in Teilen) sieht Christus als Lösegeld, das dem Teufel gezahlt wird, um Gefangene freizukaufen.
Athanasius von Alexandrien (4. Jahrhundert) vertrat eine differenzierte Soteriologie (Erlösungslehre), die zwar Elemente enthielt, die lose mit der späteren Lösegeldtheorie in Verbindung gebracht wurden, aber im Kern eine einzigartige theologische Perspektive darstellte, die als Vorläufer der "Christus Victor"-Theorie gilt.
Seine Sichtweise unterschied sich von der Vorstellung, dass ein Lösegeld direkt an den Teufel gezahlt wurde.
Athanasius' Position zur Erlösung
Nicht Zahlung an Satan: Athanasius betonte, dass die Menschheit durch die Sünde der Macht des Todes und der Verderbnis (Korruption) unterworfen war, nicht dem rechtlichen Besitz des Teufels.
Inkarnation und Überwindung des Todes: Für Athanasius war die Menschwerdung (Inkarnation) Gottes entscheidend. Der ewige und unvergängliche Sohn Gottes nahm menschliche Natur an, um diese sterbliche Natur in sich selbst zu erneuern und sie mit Unsterblichkeit zu "bekleiden".
Das Opfer als Notwendigkeit der göttlichen Konsistenz: Um Gottes Wort treu zu bleiben (der die Konsequenz der Sünde als Tod festgelegt hatte), musste der Tod stattfinden. Christus, als sündloser Mensch und gleichzeitig göttliches Wort, bot seinen eigenen Leib als perfektes Opfer dar, um die Schuld des Todes für alle zu begleichen.
Sieg über den Tod und die Dämonen: Durch seinen Tod und seine Auferstehung zerstörte Christus die Macht des Todes selbst und beraubte auch die dämonischen Mächte, die mit dem Tod in Verbindung gebracht wurden, ihrer Macht. Verbindung zur Lösegeldtheorie
Einige frühe Kirchenväter, wie Origenes und Gregor von Nyssa, verwendeten die Metapher des Lösegeldes expliziter und deuteten an, dass Gott den Teufel austrickste, indem er ihm Christus als scheinbares Opfer anbot, der Teufel jedoch durch die Auferstehung überlistet wurde ("Mausefalle"-Metapher nach Augustinus).
Athanasius verwendete zwar Begriffe wie "Austausch" und "Schuld", aber sein Hauptfokus lag auf der ontologischen (seinsmäßigen) Transformation der Menschheit durch die Vereinigung mit dem göttlichen Wort und dem Sieg über die Mächte des Verfalls und des Todes, nicht auf einer legalistischen Transaktion mit Satan.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Athanasius' Ansatz als eine Form der "Christus Victor"-Theorie verstanden wird, die sich auf die Heilung der Menschheit und den Sieg über den Tod konzentriert, und nicht auf die spezifische, spätere Ausgestaltung der Lösegeldtheorie, bei der Satan als rechtmäßiger Besitzer der Menschheit angesehen wird.

Satisfaktionstheorie
auch Satisfaktionslehre genannt, vom lateinischen satisfactio für "Genugtuung".
Sie ist eine theologische Sühnetheorie, die vor allem von Anselm von Canterbury im 11. Jahrhundert entwickelt wurde.
Kernpunkte der Theorie
Beleidigung Gottes: Die Theorie basiert auf einem juristischen Gottesbild. Jede Sünde des Menschen stellt eine unendliche Beleidigung der Ehre Gottes dar, ähnlich der Beleidigung eines Lehnsherrn durch seinen Vasallen im mittelalterlichen Feudalsystem.
Unendliche Schuld: Die durch die Sünde entstandene Schuld ist so groß, dass der Mensch sie aus eigener Kraft, selbst durch vollkommen sündenfreies Verhalten, niemals ausgleichen oder wiedergutmachen kann. Notwendigkeit der Genugtuung: Um die göttliche Gerechtigkeit wiederherzustellen, bedarf es einer Genugtuung (satisfactio), die dem Ausmaß der Beleidigung entspricht.
Gott-Mensch als Mittler: Diese notwendige, unendlich große Genugtuung kann nur von Gott selbst erbracht werden. Da die Schuld jedoch vom Menschen verursacht wurde, muss die Wiedergutmachung auch durch einen Menschen erfolgen. Die Lösung ist Jesus Christus als Gott-Mensch.
Stellvertretendes Opfer: Jesus, der selbst sündlos ist und kein Opfer für sich selbst benötigt, leistet die Genugtuung stellvertretend für die Menschheit durch seinen Tod am Kreuz. Dieses Opfer ist aufgrund seiner göttlichen Natur von unendlichem Wert und stellt die Gerechtigkeit zwischen Gott und Mensch wieder her.
Bedeutung
Die Satisfaktionstheorie war über viele Jahrhunderte, insbesondere in der westlichen (sowohl katholischen als auch evangelischen) Theologie, sehr einflussreich und bildete die Grundlage für Konzepte wie den Ablasshandel. Sie wird jedoch heute oft kritisch gesehen und ist nicht mehr unumstrittener Teil der modernen Theologie.

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