Über den Zufall gibt es vermutlich Tausende von Büchern und Schriften, auf die ich hier weder eingehen kann noch möchte. Er spielt auch in einem Lied eine Rolle, das ich kenne, und das bei uns in den Gottesdiensten häufig gesungen wird, wenn Kinder und (junge) Jugendliche anwesend sind, zum Beispiel bei der Konfirmation.

In ihm heißt es: "… du bist kein Zufall, keine Laune der Natur , … ", und ich fragte mich manchmal, ob es Menschen gibt, die das Gegenteil annehmen.

Es gibt sie. Einer ihrer geistigen Anführer war Jean Paul Sartre, der Begründer des Existenzialismus. Auf einer Wikipedia-Seite wird dieser kurz dadurch charakterisiert,

"… dass der Mensch durch den Zufall seiner Geburt in die Existenz 'geworfen' ist und aktiv selbst versuchen muss, dem Leben einen Sinn zu geben."

Das klingt, wie mir scheint, auf den ersten Blick nicht schlecht und ist zumindest verständlich. Auf derselben Seite heißt es weiter unten jedoch:

"Vielleicht kann man es so formulieren, obwohl es genau so vielleicht nicht bei Sartre steht: Das Für-sich, das Bewusstsein, ist nicht, es existiert, denn es hält immer Distanz zum Sein, auch zu sich (zu seinem eigenen Sein), es leiht sich fortwährend sein Sein vom Sein, ohne sich vom Sein einfangen zu lassen und dabei zu erstarren; es ist das geseinte Nichts im Sein."

Besonders der letzte Teil, nach dem Semikolon, ist mir rätselhaft; ich kann nichts Klares damit verbinden. Diese Unklarheit, die Sartres Philosophie nach meinem Eindruck insgesamt anhaftet, wirkt sich ungünstig auf den Gedanken mit dem zufälligen "Geworfensein" aus. Die wiedergegebenen Sätze und anderes dienen nicht dazu, ihn zu begründen und einsichtig zu machen.

Was mich bei alledem noch erstaunt, war die starke Zustimmung, die Sartre zu seinen Lebzeiten erfuhr und die vielleicht auch heute noch besteht. Egal, ob seine Anhänger ihn wirklich verstanden oder sich dies nur einbildeten (oder gegenüber anderen, Gleichgesinnten, so taten): sie alle können mit der der Fortsetzung des obigen Liedes:

"… Du bist ein Gedanke Gottes …"

nichts anfangen. Ich kann es und bin froh darüber.

Ergänzung
Klassische Originaltexte zum Thema "Zufall" im Internet
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