Im Internet vielfach zitiert:

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.

Ich wurde,
was womöglich noch ein größerer Gegensatz
zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.

Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber,
dass Beten nicht nur Schweigen ist,
sondern Hören.

So ist es:
Beten heißt nicht, sich selbst reden hören,
Beten heißt,
still werden und still sein und warten,
bis der Betende Gott hört.

Søren Kierkegaard



Das Beten auf bloßes Hören einzuschränken, ist unbiblisch und nimmt ihm Wesentliches. Jesus lehrte seine Jünger das Vater Unser (Mt6,9-13; Lk11,2-4), das Urbild christlichen Gebets. Es enthält tiefgründige, allgemeine Wünsche ("Dein Reich komme...", "Dein Wille geschehe...") und spezielle Bitten: um das tägliche Brot, um Vergebung und Erlösung. Einzeln wie in Gemeinschaft gesprochen, folgen ihm oft, meist in freier Formulierung, Fürbitte und Lobpreis Gottes. Nichts von alledem kommt in Kierkegaards Erklärung des Betens vor. Näheres über ihn hier und hier.

Jesus sagte: "Wenn zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, bin ich mitten unter ihnen." Dies steht im Gegensatz zu freiwillig isoliertem Beten und zum Einsiedlertum, das jahrhundertelang als besonders fromm und erstrebenswert galt. In heutiger kommunistischer oder islamischer Gefangenschaft können Christen nur einsam für sich beten, und oft nicht einmal das.

Nachtrag. Von Kierkegaard stammt auch die folgende Tierfabel:

„Ein Haufen schnatternder Gänse wohnt auf einem wunderbaren Hof. Sie veranstalten alle sieben Tage eine herrliche Parade. Das stattliche Federvieh wandert im Gänsemarsch zum Zaun, wo der beredtste Gänserich mit ergreifenden Worten schnatternd die Herrlichkeit der Gänse dartut. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen, wie in Vorzeiten die Gänse mit ihrem mächtigen Gespann die Meere und Kontinente beflogen haben. Er vergaß nicht dabei das Lob an Gottes Schöpfermacht zu betonen. Schließlich hat er den Gänsen ihre kräftigen Flügel und ihren unglaublichen Richtungssinn gegeben, dank deren die Gänse die Erdkugel überflogen.
Die Gänse sind tief beeindruckt. Sie senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den wohlgenährten Körper, der noch nie den Boden verlassen hat. Sie watscheln auseinander, voll Lobes für die gute Predigt und den beredten Gänserich.
Aber das - ist auch alles. Fliegen tun sie nicht. Sie machen nicht einmal den Versuch. Sie kommen gar nicht auf den Gedanken. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut, der Hof ist sicher, und ihr Leben bequem.“

(Enthalten in: http://www.wueparchiv.de/zielgruppenpredigten/anzeigen.php?id=1487&zielgruppe=1600. Offenbar handelt es sich um eine Anspielung auf Gottesdienstbesucher, die im Laufe der Woche das vergessen und nicht anwenden, was sie am Sonntag in der Kirche hörten, und wovon sie dort ergriffen waren.)

Zurück zur Vorseite
Zurück zur Themenübersicht, Teil 1