Ein atheistischer Bekannter von mir schrieb per E-Mail: "Wie können Gottgläubige (Bibel: 'Du sollst nicht töten!') im Namen Gottes in den Krieg ziehen? Wie kommt es, dass die so 'friedlichen' Religionen dazu verführen? Wieso kann man im Namen eines 'allgütigen' Gottes Menschen abschlachten?!"

Abgesehen davon, dass Schreibweisen wie "die so 'friedlichen' Religionen" und "im Namen eines 'allgütigen' Gottes" wohl eher ironisch-polemisch gemeint sind, lassen sich die obigen Fragen meines Erachtens zu einem guten Teil hiermit beantworten:

Einzelne Menschen und Gruppen unterschiedlicher Größe haben bestimmte Schwächen, die sie ausleben und dabei andere anstiften, ihnen zu folgen: Macht- und Besitzgier, Stolz auf angenommene eigene Überlegenheit, Mitleidlosigkeit, Grausamkeit. Aktuell kommt (zum Beispiel beim sogenannten IS) die Hoffnung auf Belohnung im "Paradies" für die Tötung "Ungläubiger" hinzu.

Ruhmsucht von Stammesführern, von Königen und Kaisern, Präsidenten und Reichskanzlern treibt und trieb Millionen in den Tod. Viele machen bei Kriegen und Ausrottungsaktionen unter Zwang mit oder tun es freiwillig, weil sie falscher Progaganda vertrauen und das eigene Gewissen verdrängen.

Göttliches Ge- und Verbot kennen sie nicht oder missachten es.

In einer Antwort an meinen Bekannten räumte ich ein, dass es im Alten Testament Passagen gibt, in denen beschrieben wird, wie in vermeintlichem Auftrag Gottes Männer, Frauen und Kinder in großer Anzahl umgebracht wurden; doch sind diese Stellen bei weitem nicht alles.

Und sie sind nicht typisch für die Bibel insgesamt. Das zeigt sich vor allem am Neuen Testament, welches das Leben und Wirken Jesu zum Inhalt hat.

Da ich davon ausging, dass mein Bekannter keine Bibel besitzt, und wenn doch, nicht ausreichend in ihr liest, fügte ich ihm per E-Mail die folgenden ausgewählten Bibelstellen an.

Zunächst etwas aus dem aus dem Alten Testament, woraus hervorgeht, was den Israeliten für ein gerechtes und friedliches Zusammenleben, auch im Hinblick auf Fremde, vorgeschrieben wurde:

3. Mose, Kap. 19: 9

Wenn du dein Land aberntest, sollst du nicht alles bis an die Ecken deines Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten. 10 Auch sollst du in deinem Weinberg nicht Nachlese halten noch die abgefallenen Beeren auflesen, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen; ich bin der HERR, euer Gott. 11 Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch betrügerisch handeln einer mit dem andern. 12 Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und den Namen eures Gottes nicht entheiligen; ich bin der HERR. 13 Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken noch berauben. Es soll des Tagelöhners Lohn nicht bei dir bleiben bis zum Morgen. 14 Du sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten; ich bin der HERR. 15 Du sollst nicht unrecht handeln im Gericht: Du sollst den Geringen nicht vorziehen, aber auch den Großen nicht begünstigen, sondern du sollst deinen Nächsten recht richten. 16 Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk. Du sollst auch nicht auftreten gegen deines Nächsten Leben; ich bin der HERR. 17 Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. 18 Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.

Und nun aus dem Neuen Testament

Lukas 9,51-55
51 Als die Zeit nah war, dass Jesus wieder zu Gott zurückkehren sollte, brach er nach Jerusalem auf. 52 Unterwegs schickte er Boten voraus, die in einem Dorf in Samarien für eine Unterkunft sorgen sollten. 53 Aber weil Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, wollte ihn keiner aufnehmen. 54 Als seine Jünger Jakobus und Johannes das hörten, waren sie empört: "Herr, das brauchst du dir doch nicht gefallen zu lassen! Wenn du willst, lassen wir Feuer vom Himmel fallen wie damals Elia, damit sie alle verbrennen!" 55 Doch Jesus wies sie scharf zurecht, 56 und sie gingen in ein anderes Dorf.
Anm.1: Jesus war mit seinen Jüngern zu der Zeit in Samarien; Juden und Samaritaner waren sich nicht grün.
Anm.2: In einer Fußnote*) steht: "Andere Textzeugen fügen hinzu (Vers 55b): Er sagte: 'Habt ihr denn vergessen, von welchem Geist ihr euch leiten lassen sollt? (Vers 56a) Der Menschensohn ist nicht gekommen, das Leben der Menschen zu vernichten, sondern es zu retten.' "
Anm.3: Zu Elia: www.hjcaspar.de/hpxp/gldateien/elia1.htm, letzter Absatz
*) Alle auf dieser Seite wiedergegebenen Bibelzitate stammen aus http://www.bibleserver.com/.

Markus 12,28-31
28 Ein Schriftgelehrter hatte zugehört und war von der Antwort beeindruckt, die Jesus den Sadduzäern gegeben hatte. Deshalb fragte er ihn: "Welches von allen Geboten Gottes ist das wichtigste?" 29 Jesus antwortete: "Dies ist das wichtigste Gebot: 'Hört, ihr Israeliten! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. 30 Ihn sollt ihr von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft.' 31 Ebenso wichtig ist das andere Gebot: 'Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!' Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden."
Anm.: V. 31 enthält ein Zitat aus dem Alten Testament: 3. Mose Kap. 19, V. 18.

Matthäus 5,43-47
Von der Feindesliebe
43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.«1 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet2 für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?3 47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
1 Der Zusatz „und deinen Feind hassen“, steht nicht im Alten Testament, sondern wurde später hinzugefügt, vgl. hier, letzter Absatz. Es gibt aber den hasserfüllten Psalm 58, und in Psalm 139 heißt es: "21Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben? 22 Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden." In Psalm 69 bittet König David darum, dass von Gott seinen eigenen Feinden die Augen geblendet werden, "so dass sie nicht mehr sehen", und darum, dass sie "aus dem Buch des Lebens getilgt" werden.
2 andere Übersetzung: "betet". Dass wir unsere Feinde "lieben" sollen, bedeutet nicht, dass wir Böses, das sie verüben, gut heißen. Wir sollen ihnen "wohl wollend" begegnen und Gutes für sie erbitten, in der Hauptsache, dass sie umkehren, das Böse beenden und nicht wieder aufnehmen.
3 Beamte der römischen Besatzungsmacht, die oft in die eigene Tasche wirtschafteten und in der Bevölkerung verhasst waren.

Einen ausgedehnten Artikel über die Feindesliebe und ihre Quellen in der jüdischen und christlichen Religion findet man bei Wikipedia.

1. Korinther 13 (Ausschnitte)
Über die Liebe

4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. 5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. 6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. 7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. 8 Die Liebe hört niemals auf. ….. 11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. 12 Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. 13 Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

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