Altmodisch
Ältere Leute, zu denen ich inzwischen selber gehöre, verwenden in ihren
Gesprächen immer noch bildhafte Redewendungen wie zum Beipiel diese: in
den sauren Apfel beißen, auf die lange Bank schieben, auf dem hohen Ross
sitzen, die Katze aus dem Sack lassen, aus einer Mücke einen Elefanten
machen, wie ein Spatz essen, Neidhammel, Krokodilstränen, Schafskopf,
Gänsehaut, bekannt wie ein bunter Hund, alter Hase, junger Dachs, Backfisch,
Schwarzes Schaf, das (arme, kleine) Wurm. Etwas auf die Goldwaage legen, das lateinische "cum grano salis",
falscher Fünfziger, Knülch. Klimbim. Pustekuchen. Tausensassa. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Retourkutsche, am seidenen Faden hängen, jemanden nach Strich und Faden belügen, alles in
einen Topf werfen, um den heißen Brei herumreden, alles über einen Kamm
scheren. Alle Hebel in Bewegung setzen. Aus dem Ärmel schütteln. Sich wie zwischen Baum und Borke fühlen, auf keinen grünen Zweig kommen, jemandem ein Dorn im
Auge sein, Augen im Kopf haben, ein Auge zudrücken oder auf etwas
werfen, kein Auge zukriegen, große Augen machen. Auf Granit beißen, sich
die Zähne ausbeißen. Das Gras wachsen hören. Den Bock zum Gärtner machen. Etwas in Schuss bringen oder im Sande verlaufen
lassen, an die große Glocke hängen. Den Teufel an die Wand malen. Unter die Räder geraten, Oberwasser bekommen, hinter dem Ofen hervorkommen,
Sperenzchen machen. Mit Gefühl und Wellenschlag. Wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Außer Rand und Band. "Du meine Güte!" Auf Messers
Schneide. Es zieht wie Hechtsuppe. Jemandem auf den Zahn fühlen oder ihn
aufs Korn nehmen, ihn triezen, Öl ins Feuer gießen, es darauf anlegen, sich in Sicherheit
wiegen (Kinderwiege! – heute kaum mehr in Gebrauch).
Jemanden mit Samthandschuhen anfassen, in Watte packen, kaltstellen, im
Stich lassen, ihm am Zeug flicken, ihn auf dem falschen Fuß erwischen. Böses Blut machen. Es liegt einem im Blut. Für jemanden die Hand ins Feuer legen, ihn anhimmeln, über den grünen
Klee loben, ihm ins Gehege kommen, in die Parade fahren, die Stirn bieten. Nicht gut Kirschen essen. Federn lassen. Einander spinnefeind sein. Sich etwas zu Gemüte führen. Für jemanden die Kastanien aus dem Feuer holen, über eine
Sache Gras wachsen lassen oder sie unnütz breit treten. Ein Durcheinander wie Kraut und Rüben. "Schwamm
drüber!" Immerhin. Wiederum. Blümerant. Seine Nase in alles stecken, jemanden an der Nase herumführen oder ihm auf der Nase herumtanzen, ihm einen Floh ins Ohr setzen oder ihn übers Ohr hauen, auf den Arm
nehmen, vertrimmen, verkohlen, versohlen. Jemandem den Wind aus den Segeln nehmen. Ihn durch den Kakao ziehen. Nicht auf den Mund gefallen
sein, davon ein Lied singen können, Gift und Galle spucken, Zeter und Mordio schreien. Den Finger davon lassen. Gebranntes
Kind, Kind und Kegel, das Kind mit dem Bade ausschütten, Fass ohne
Boden. Große Rosinen im Kopf haben, den Kopf hängen lassen, mit dem Kopf
gegen die Wand rennen, sich um Kopf und Kragen reden, den Kopf in den
Sand stecken, sich auf den Kopf stellen, einen kühlen Kopf bewahren. Halblang machen. Sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Auf dem letzten Loch pfeifen. Jemandem etwas aufs Auge
drücken, mit einem blauen Auge davonkommen. Die Suppe (oder was man sich
eingebrockt hat) auslöffeln müssen, jemanden die Suppe versalzen, ein
Haar in der Suppe finden, ein gefundenes Fressen, eine bittere Pille, Mumpitz,
auf einem anderen Blatt, kein Blatt vor den Mund nehmen. Die Waffen strecken. Das Blaue vom
Himmel herunterlügen, den roten Faden verlieren, sich grün und blau
ärgern, jemanden schief ansehen, sich schief lachen, die Haare raufen, sich über etwas keine grauen Haare wachsen lassen. Geheimratsecken. Haare auf den Zähnen haben, an einer Sache oder Person kein gutes Haar lassen, niemandem
ein Haar krümmen, etwas an den Haaren herbeiziehen, die Gelegenheit beim
Schopfe packen. "Ich verkrümel' mich." Sich ein Hintertürchen offen lassen. Aus der Haut fahren, keinen Finger krumm machen, sich
die Finger verbrennen, aber nicht die Zunge, den kürzeren ziehen, auf dem Holzweg sein, ein
langes Gesicht machen, sein Pulver zu früh verschießen, nichts anbrennen
lassen, (auch nur) mit Wasser kochen, jemandem nicht das Wasser reichen können, mit allen Wassern gewaschen sein,
kein Wässerchen trüben können, klein beigeben, sein Fett abkriegen, aus
dem Leim gehen. Ihm lief eine Laus über die Leber, spitze Zunge, kesse
Lippe. Kalte Füße kriegen. Höchste Eisenbahn. "Mach' nicht so ein Theater!" Firlefanz. Aus dem
Nähkästschen plaudern. Den eigenen Senf dazu geben, Honig saugen, den
Braten riechen, etwas wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Etwas als bare Münze nehmen. Sich
einigeln, sein Schäfchen ins Trockene bringen, sich nicht den Mund
verbrennen, ein dickes Fell haben, unter einer Decke stecken, Fünfe grad
sein lassen, wie die Faust aufs Auge passen, reinen Tisch machen, nicht
übern Weg trauen. Mit heißer Nadel gestrickt. Klipp und klar. Er hat den Bogen 'raus,
den Bogen überspannen. Etwas im Schilde führen, Pechvogel, Unglücksrabe.
Und dann sagte jemand noch: "Wat dem enen sin Uhl, is dem annern sin
Nachtigall." – das war Fritz Reuter; Werke (in "Projekt Gutenberg").
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