"Wie kann Gott das zulassen?"

Wir saßen am Mittagstisch, und einer der eingeladenen Gäste erzählte von seinem Besuch bei einem befreundeten Pastor am vergangenen Wochenende. Es habe ihm dort gut gefallen, auch die Predigt im Gottesdienst; nur sei sie ihm "etwas zu optimistisch" gewesen. Weil mich das interessierte, fragte ich ihn, was er damit meine, worauf er sagte: "Es ging in ihr um Gottes Gnade, das Himmelreich und die unendliche väterliche Liebe Gottes zu uns Menschen. Angesichts des vielen Bösen und Unrechts in der Welt, von dem wir fast täglich hören, sehen und lesen, glaube ich nicht daran." In dem Moment verfolgten wir das nicht weiter, und auch später ergab sich keine Gelegenheit mehr dazu.

Es ist die alte, seit Jahrhunderten gestellte Frage: "Warum lässt Gott all' das Schlechte zu und tut nichts dagegen? Kann er es nicht oder will er es nicht?" Wenn er es nicht kann, sagen vornehmlich Atheisten, ist er nicht allmächtig, und wenn er es nicht will, nicht "all-liebend". Also könne es Gott nicht geben.

Die Betreffenden übersehen, dass Gott viel Gutes tut, auch ihnen persönlich; da fragen sie nicht, wie das möglich ist. Sie fragen auch nicht, was wäre, wenn es Gott tatsächlich nicht gäbe, und wie es dann in der Welt aussehen würde. Ich meine: vermutlich genauso oder schlimmer.

Gott gab nach dem Glauben in unserem Kulturkreis den Menschen Seine Zehn Gebote, und wenn weltweit danach gehandelt würde, gäbe es vieles nicht, was an Hass und Feindschaft, an Ausbeutung und Unterdrückung besteht. Kriege und Bürgerkriege, Revolutionen, von denen die meisten nutzlos verpuffen (und viele unschuldige Opfer mit sich bringen), würden das friedliche Zusammenleben nicht immer wieder stören und erschweren. Und dadurch, dass es den Glauben an Gott gibt, wird bei Naturkatastrophen wie Erdbeben und Überflutungen, die physikalische, nicht ethische Ursachen haben, notleidenden Menschen oftmals großzügig und uneigennützig geholfen.

Darüber hinaus denke ich folgendes:

Wir alle müssen sterben, die einen früher, die anderen später. Den Zeitpunkt, in dem das geschieht, legt Gott nach freiem Ermessen fest. Das ähnelt dem Verhalten eines Gärtners: dieser sät und pflanzt und beobachtet, was dabei entsteht, und wie es sich entwickelt. Pflanzen, die zu schwach sind, um ordentlich zu gedeihen, und solche, die zu dicht stehen und damit andere am Wachstum hindern, entfernt er, bisweilen nicht ohne Bedauern. Er hat das Große und Ganze im Sinn: den gesamten Garten, den er schön und gesund erhalten möchte. Er schneidet zurück, wässert und düngt bei Bedarf. Er pflegt seine Blumen, Sträucher und Bäume und ist dankbar für den Segen, der "von oben" kommt.

Die Pflanzen sind dem Gärtner ausgeliefert. Sie sind ortsfest und können nicht weg. Und hier endet der Vergleich des Gärtners mit Gott. Wir Menschen als Seine Geschöpfe (und sogar "Kinder", wie oft gesagt wird), können uns in gewissem Maße verändern, sowohl materiell wie geistig. Dazu müssen wir auf Gottes Wort achten und hören und nicht nur auf Fernsehmeldungen sowie Darstellungen von Schrecklichem, Überflüssigem und Schädlichem im Internet. Wenn wir das täten, wäre viel gewonnen. Zurück bleiben würde manches Geheimnisvolle, das uns bedrückt und das wir nicht begreifen können, weil unser Verstand dafür zu schwach ist. Das ist so und lässt sich nicht ändern. Hilfreich, damit fertig zu werden, ist der Glaube, auch wenn es nicht immer vollständig gelingt.

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