Transzendenz

In der Mathematik gibt es verschieden aufwendig definierte Zahlen, von den einfachen, "natürlich" genannten bis zu den transzendenten. Letztere gehen über die ganzen, rationalen, algebraischen Zahlen hinaus; ihre Vielfalt ist grenzenlos. Das Wort Transzendenz verwendet man oft auch für Gott. ER steht über Allem, ist für uns unbegreifbar hoch und unerreichbar.

Das wird oft übersehen bzw. vergessen, wenn man gedanklich Gottes Wesen menschliche Eigenschaften zuschreibt. Dies geschieht an vielen Stellen der Bibel und setzt sich bis heute in Predigten, Gebeten und Reflexionen über Ihn fort. Wenn zum Beispiel in einem erklärenden Kommentar steht: "Gott hat der Menschheit seit dem Beginn der Schöpfung seine Sehnsucht offenbart, mit ihnen in seiner Gerechtigkeit zusammenzuleben.", dann bedeutet das, dass angenommen wird, Gott könne wie wir Gefühle haben, in diesem Fall, dass Er sich nach etwas "sehnt".

Wer so denkt, redet und schreibt, der bestreitet, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht, Gottes Transzendenz. Wie weit man hierbei gehen darf, kennzeichnet das Bibelwort: "Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR" (Jesaja55,8). Dabei stellt, dass Gott zu uns "spricht", bereits eine "Vermenschlichung" dar oder, wie man sich gelehrt ausdrückt, einen Anthropomorphismus.

Wird Gottes Transzendenz zu sehr missachtet, kann es zu Äußerungen von Pastoren und "christlichen" Buchautoren kommen wie: "Ihr könnt zu Gott 'Pappi' oder 'Dad' sagen" und "Ich geh' mit meinem Gott spazieren; er ist mein bester Kumpel" oder stark vereinfachend und dadurch irreführend: "Gott ist Liebe!"

Sehr aufschlussreich, weitgespannt und für philosophisch-theologische Laien gut lesbar ist zum Thema "Transzendenz" das Buch "Übernatürlich und unbegreifbar" von Professor Peter Kügler, Universität Innsbruck. Auf der betr. Seite klicke man unter "Dateien" und "Inhalt".

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