Über Mythen und Legenden

Märchenhafte, erbauliche, erschreckende, belehrende Geschichten, mit und ohne moralischen, bisweilen auch politischen Hintergrund, gibt es unzählig viele von der Antike bis die Gegenwart. Auch in der Bibel finden sie sich.

Ein paar Beispiele seien erlaubt.
– Von Alexander dem Großen (und nicht nur von ihm) wurde verkündet und geglaubt, er sei göttlicher Abstammung gewesen.
Martin Luther soll der Sage nach in seiner Studierstube auf der Wartburg mit einem Tintenfaß nach dem Teufel geworfen haben. Der im Laufe der Zeit verblasste Tintenfleck wurde mehrfach erneuert, was heutzutage nicht mehr der Fall ist. Luther soll auch nicht seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schloßkirche genagelt haben, wie Jahrhunderte lang behauptet wurde; er sandte sie seinen geistlichen Vorgesetzten.1)
– Mythisch überhöht wurde, und zwar schon zu seinen Lebzeiten, Josef Stalin als "Menschenfreund", "größter Feldherr aller Zeiten", "größter Philosoph" und "Sprachforscher".2) Das habe ich selber in der ehemaligen "DDR" an der Universität in Vorlesungen über Marxismus-Leninismus miterlebt, an denen teilzunehmen wir als Naturwissenschaftler unter Verwendung von Strichlisten gezwungen wurden. (Manche Mythen erstrecken sich nicht in die Vergangenheit, sondern weisen, scheinbar prophetisch, in die Zukunft. Dies gilt etwa für das in meinen Augen lächerliche und peinliche Gedicht von Johannes R. Becher [2] mit den Zeilen: "Dort wirst du, Stalin, stehn, in voller Blüte / Der Apfelbäume an dem Bodensee, / Und durch den Schwarzwald wandert seine Güte, / Und winkt zu sich heran ein scheues Reh.")
– Meistens, aber nicht immer, beziehen sich Legenden und Mythen auf bestimmte Personen. Ein Gegenbeispiel war die ausdrücklich so benannte und in Deutschland verbreitete "Dolchstoßlegende" nach dem Verlust des Ersten Weltkriegs. [3]
– In der Bibel findet man an verschiedenen Stellen märchenhaft Klingendes wie zum Beispiel die Geschichte vom wandernden Schatten [4] oder von Simson [5].
– In neuerer Zeit häufen sich unreligiöse, unpolitische, nicht selten schauerliche Legenden, die zum Teil auf uralten Märchen und Sagen beruhen und nur in ein modernes Gewand gekleidet wurden. Ihre Motive und Gründe für ihre Verbreitung werden z. B. in [6] erklärt.

Warum erwähne ich Derartiges? Warum sind Mythen und Legenden mein Thema?3)

Die Antwort ist: ich kann, speziell beim Lesen der Bibel, nicht alles glauben. Ich will nicht, dass man mir, schriftlich oder mündlich, Dinge vorsetzt – zum Teil mit strengem Unterton4) – gegen die sich mein Verstand sträubt, die mir unwahr und nur ausgedacht erscheinen oder Widersprüchliches enthalten.

Dennoch lehne ich, anders als manche Atheisten es tun, die Heilige Schrift nicht als Ganzes ab. Im Gegenteil: über vieles, das in ihr steht, bin ich froh, bin dankbar dafür und glaube es. Es erscheint mir einleuchtend und zutreffend, entspricht meiner Lebenserfahrung. Über sie geht es hinaus (ist "transzendent") und zeigt auf ein sinnvolles, von mir erstrebtes Ziel. Das Lesen in der Bibel, allein und zusammen mit anderen, und die auf ihr basierenden Predigten in den Gottesdiensten erweitern mein Denken und Vorstellungsvermögen, wirken sich günstig auf mein gesamtes Verhalten aus.

Was ich im einzelnen über Gott denke und glaube, über Seinen Sohn Jesus Christus und den Heiligen Geist, habe ich mehrfach in dieser "Glaubensseite" beschrieben und brauche es hier nicht zu wiederholen.

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1) vgl. z. B. hier.
2) Weitere Bezeichnungen: "Genius des russischen Volkes, genialer Führer des Weltproletariats, Koryphäe der Wissenschaft, Mechaniker der Lokomotive der Geschichte, ..." (aus [1]). Wir selber nannten ihn heimlich und ironisch auch den "Vater aller Werktätigen", wodurch er noch eine weitere besondere, sozusagen biologische, Note bekam.
3) Eine schier unerschöpfliche Literaturquelle über Mythen weltweit mit den erstaunlichsten, weithin geglaubten, gelegentlich auch das Christliche berührenden Einzelheiten ist das Buch [7]. Textbeispiel s. u.
4) "Was für ein Christ sind Sie eigentlich?!" – "So darf man das nicht sagen!"

[1] www.fb06.uni-mainz.de/~Stalinismus_Franquismus.pdf, S. 15
[2] www.forum.stalinwerke.de/viewtopic.php?f=10&t=13 ("Danksagung")
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Dolchsto%C3%9Flegende
[4] www.bibleserver.com/ref/12020001#/text/LUT/2.Könige20, Verse 9-11
[5] www.hjcaspar.de/gldateien/simson.htm
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Moderne_Sage
[7] Vollständiges Wörterbuch der Mythologie aller Nationen...

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