Über die "Mondsichelmadonna"

Bisweilen findet man in Kirchen Maria auf einer Mondsichel stehend wie in dem folgenden Bild in der Kathedrale von Ronda/Spanien:

Die Deutung hierfür ist unterschiedlich. Manche sehen in dieser Darstellung die Himmelskönigin, der Sonne, Mond und Gestirne untertan sind.

Andere berufen sich auf die Offenbarung des Johannes, Anfang Kapitel 12. Dort heißt es:

1Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. 2Sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. ... 5. Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. 6Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.

Zwischen Vers 2 und 5 ist von einem schrecklichen Drachen die Rede, der das Kind, sobald es geboren ist, auffressen möchte. In Vers 5 ist die Bedeutung des "eisernen Stabes" (mir) nicht klar. Soll mit dem Knaben, der die Völker damit "weidet", Jesus gemeint sein? (click)

Und in Vers 6 die Entrückung des Kindes zu Gott: nichts von Jesu Wandeln als Erwachsener auf Erden, nichts von seinem Lehren und Leiden für alle, die an ihn glauben, steht hier, auch nicht, daß er der Sohn Gottes ist. Der Zusammenhang mit den übrigen Teilen des Neuen Testaments ist zumindest nicht offensichtlich, so daß man daran zweifeln kann, ob mit der Frau in dem Johannes-Text Maria überhaupt gemeint ist.

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Nur schemenhaft ist die Mondsichelmadonna in der Burgkapelle von Ziesar (Landkreis Potsdam-Mittelmark, Land Brandenburg) zu erkennen. Das Wandbild wurde nach der Reformation (1539) übermalt, im 19. Jahrhundert wiederentdeckt und 2004 restauriert.



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Maria auf der Mondsichel, aufgenommen an einer Straße in Linz/Rhein:



und in Verona an einer Hauswand:



und in Meran/Südtirol:




Eichstätt, Bayern:


Diese Mariensäule mit vergoldeter Mondsichelmadonna steht am Rande eines großen, fast leeren Platzes, auf dem einst als geistlich-weltliche Herrscher die Fürstbischöfe Soldaten paradieren ließen und die Huldigungen ihrer Untertanen entgegennahmen.1

Hier die bei gleißendem Sonnenlicht aus der Ferne nur schwer zu fotografierende Madonnenfigur noch einmal für sich:



1Die Ausübung weltlicher, gar militärischer Macht durch einen Bischof war unbiblisch. Die Eichstätter Fürstbischöfe hatten in ihrem Palast einen goldstrotzenden Saal, dessen Decke und Wände ausschließlich mit Szenen und Motiven aus der griechischen Mythologie, d. h. mit Unchristlich-Heidnischem, geschmückt sind. Prunk und eitle Selbstüberhöhung der damaligen, von der Kirche eingesetzten Herrscher widersprachen dem christlichen Demutsgebot (vgl. z. B. Phil 2,3). Außer Eichstätt gab es bis zu ihrer Auflösung Anfang des 19. Jahrhunderts allein in Deutschland über zwanzig Residenzen dieser Art.

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St. Leonhardskirche in Knittlingen, Baden-Württemberg:




Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Beverungen/Weser:




An einer Straße in Bardolino, Gardasee/Italien (Nachtaufnahme):



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Das folgende Bild, aufgenommen im Münster "Zu Unserer Lieben Frau" in Donauwörth, hat im Vergleich zu den vorhergehenden eine Besonderheit. Maria steht nicht innen, sondern außen auf der Mondsichel, deren Spitzen nach unten zeigen. Eingezwängt zwischen dem Mond und dem felsigen Untergrund ist ein menschliches Gesicht, das einen gequälten, leidenden Eindruck macht:



 
(Ausschnitt, gedreht)

Vielleicht handelt es sich dabei um einen Toten. Die Statue soll an die Türkenkriege des 16. Jahrhunderts und speziell an die Seeschlacht von Lepanto erinnern; vgl. im Internet hier und hier.

Dasselbe Motiv (allerdings mit den Mondsichelspitzen nach oben und nicht ganz leicht zu erkennen)



in einem Fenster des Doms zu Eichstätt.


Und hier nochmals, deutlicher:



Benediktinerabtei Plankstetten, Bayern, Altmühltal

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In Duderstadt, Niedersachsen:


Am Portal der St. Cyriakuskirche


Mariendenkmal auf einem öffentlichen Platz

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In Erfurt:


Vor dem Dom


Auf dem Dach eines Bürgerhauses (erb. 1892) am Markt

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Maria auf der Mondsichel in Fulda (2x), Ingolstadt, Møgeltønder (Dänemark),









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Freiburg i. Br. (2x), Fribourg (Schweiz), Mainz und Rom:











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St.Marien, Bad Zwischenahn:



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Aschaffenburg -

im Hof von Schloß Johannisburg:



in der Stiftsbasilika St. Peter und Alexander:




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Marienstatue an einem Haus in Miltenberg ...



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... und in Würzburg:




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Zwei Bilder, aufgenommen in Antwerpen:




(von der Mondsichel sind nur die Spitzen zu sehen)

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in einer Kirche in Triest

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Eingangsportal zum Kirchhof der St:a Gertruds Kyrkan, Stockholm, oft "Tyska Kyrkan" - Deutsche Kirche - genannt.
(Näheres über sie im Internet, z. B. hier). Die Inschrift geht zurück auf den 1. Petrusbrief, Kap. 2, Vers 17, und soll bereits in der babylonisch-assyrischen Religion "das wichtigste Lebensgebot" gewesen sein, vgl. hier, letzter Abschnitt.

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Maria mit der Mondsichel gab es auch auf Münzen:

Bayer. Doppelgulden, Maximilian II., ohne Jahreszahl,
und zwei Dukaten:
  
(Fotos: Helmut Caspar, aufgen. in der Ausstellung des Münzkabinetts im Berliner Bode-Museum, Okt. 2010) Weiteres zu diesem Thema bei: www.helmutcaspar.de, Aktuelles (2012), Münzen und Medaillen, "Hilfreiche Siberpartikel ..."

Zum Abschluß noch ein schönes Marienbild ohne die Mondsichel:



Es befindet sich in der Dorfkirche von Vellau, Südtirol.

Zur Erinnerung: auch auf dieser Seite unterliegen die Bilder meinem Copyright.

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