An christlichen Kirchen:

Die "Judensau"
(das Folgende stammt aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:
www.hochschulstellenmarkt.de/info/j/ju/judensau.html; älterer Artikel, nicht mehr verfügbar.
Neu und sehr viel ausführlicher ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Judensau)
Das Motiv

Im Mittelalter wurde das antisemitische so genannte "Judensau"-Motiv populär. Es wurde an öffentlichen Gebäuden und Kirchen angebracht. Es zeigt Juden und Schweine in enger Verbindung: Juden, die an den Zitzen der Säue saugen oder die rittlings auf einem Schwein sitzen mit dem Gesicht dem Tierafter zugewandt.

Juden sollten damit beschimpft und verspottet werden. Ihre religiösen Empfindungen wurden angegriffen, da gerade das Schwein ein bekanntes rituell unreines Tier für gläubige Juden ist.

Vorkommen

Diese Darstellungen kann man an einigen Kirchen heute noch finden. Einige der Kirchen, an denen diese Motive gesehen werden können, finden sich in Aerschot (Notre Dame), Bamberg (Dom), Basel (Münster), Brandenburg (älteste Darstellung; Dom) , Cadolzburg, Colmar (Münster St. Martin), Eberswalde, Erfurt (Dom), Gnesen (Kathedrale), Heilsbronn (Münster), Köln (Chorgestühl im Dom und St. Severin), Lemgo(St. Marien), Magdeburg (Dom), Metz (Kathedrale), Nürnberg (St. Sebalduskirche), Regensburg (Dom), Remagen (Torbogen), Uppsala, Schweden (Dom), Wien (keine Angabe, wo), Wimpfen (Stiftskirche St. Peter), Wittenberg (Stadtkirche), Xanten (Dom), Zerbst (Nikolaikirche).

In Wittenberg ist eine Mahntafel unterhalb der Judensau in den Boden gelassen. In einigen Kirchen kann man (teils auf Anfrage) Stellungnahmen und Beschreibungen von seiten der Kirche zu dem Motiv erhalten.

In einigen Städten wurde das Judensau-Motiv entfernt, so z.B. in Frankfurt am Main und Kelheim.

Das Judensau-Motiv - Zeichen für den Niedergang des Ansehens der Juden im Verlauf des Mittelalters
Judensau am Dom St. Peter in Regensburg (Juni 2004)
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Judensau am Dom St. Peter in Regensburg (Juni 2004)

In den Augen der christlichen Umwelt hat sich das Bild des Juden im Verlauf des Mittelalters wesentlich gewandelt. Aus dem im frühen und auch noch im hohen Mittelalter weitgehend tolerierten und respektierten Mitmenschen ist bis zum Beginn der Neuzeit ein verachteter und gefürchteter Außenseiter der Gesellschaft geworden. Dies zeigt sich gerade auch im Wandel der bildlichen Darstellungen. Betrachtet man die allegorische Darstellung der im Kampf mit der "Ecclesia" (Kirche) unterlegenen "Synagoge" am Straßburger Münster, eine formvollendete, edle und auch in der Trauer über ihre Niederlage noch hoheitsvolle Frauengestalt (Entstehungszeit 13. Jahrhundert). Vergleicht man sie etwa mit der oben erwähnten "Judensau" an der Stadtkirche in Wittenberg (Entstehungszeit um 15. Jahrhundert), so wird dieser grundlegende Wandel ohne weiteres erkennbar. Während sich das im frühen und hohen Mittelalter oft verwendete Ecclesia-Synagoge-Motiv in seiner Thematik auf den religiösen Gegensatz zwischen Judentum und Christentum beschränkt und diesen in würdiger Weise darstellt, spiegelt sich im Judensau-Motiv eine tiefe Verachtung der Juden. Die Judensau erregt Abscheu und Ekel. Die - wie in Wittenberg - an ihren Zitzen saugenden Juden erscheinen als widerwärtige Kreaturen, die nur aus einer unbegreiflichen Laune der Natur ein menschliches Antlitz tragen. Die Judensau-Darstellungen zeigen daher anschaulich, dass sich um Ende des Mittelalters der ursprünglich nur im religiösen Bereich bestehende Gegensatz in eine totale, alle Lebensbereiche umfassende Verachtung der Juden verdichtet hat.

"Judensau" im Nationalsozialismus

Im Nationalsozialismus wurden Menschen jüdischer oder vermeintlich jüdischer Herkunft mit diesem Begriff beschimpft, eine entsprechende Verwendung des Wortes fand aber schon lange vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten durch nationalistische Rechte in Deutschland statt. So kursierte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ein deutschnationales Stammtisch-Lied, das wie folgt gegen den damaligen Außenminister der Weimarer Republik hetzte: "Knallt ab den Walther Rathenau,die gottverfluchte Judensau!"

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Fortsetzung von mir (H.-J.C.), nicht des Wikipedia-Artikels:

Martin Luther kannte die "Judensau", denn es gab sie auch in Wittenberg:



Er unternahm nichts dagegen, war selber ein Feind der Juden und hetzte in derben Worten gegen sie. Zwei Traktate, das erste 1542 "Von den Juden und ihren Lügen", belegen das: "Juden sind Brunnenvergifter, rituelle Mörder, Wucherer, Parasiten der christlichen Gesellschaft. Sie sind schlimmer als Teufel, es ist schwerer sie zu bekehren, als Satan selbst. Sie sind zur Hölle verdammt. Sie sind, in Wahrheit, der Antichristus. Ihre Synagogen sollen zerstört und ihre Bücher verboten werden. Sie sollen gezwungen werden, mit ihren Händen zu arbeiten oder besser noch - sie sollen von den Fürsten aus deren Gebieten verjagt werden." (Ähnlich brutal wie bei den Juden äußerte sich Luther gegenüber den Aufständischen im Bauernkrieg.1) Sie hatten vergeblich auf Unterstützung von ihm gehofft und wurden nach ihrer Niederlage in großer Zahl gefoltert und bestialisch ermordet.)

Die oben erwähnte, in den Boden eingelassene Wittenberger Gedenktafel unterhalb der "Judensau" wurde 1988 geschaffen,



fünfzig Jahre nach dem Beginn der systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland, die mit dem Abbrennen ihrer Synagogen anfing.

Die Inschrift der Tafel, die auch hebräische Buchstaben enthält, lautet:

"Gottes eigentlicher Name, der geschmähte Schem Ha Mphoras, den die Juden vor den Christen fast unsagbar heilig hielten, starb in sechs Millionen Juden unter einem Kreuzeszeichen."

Bei allem Respekt vor dieser Tafel empfinde ich sie als irritierend und unvollständig. Die Ermordung von sechs Millionen Juden geschah nicht unter irgendeinem Kreuzeszeichen (und schon gar nicht unter dem christlichen, was auch nicht behauptet wird), sondern unter dem Hakenkreuz, dem Symbol der braunen Machthaber in Deutschland von 1933-45. Die Feststellung, daß der bereits vor Jahrhunderten geschmähte, den Juden heilige Gottesname zusammen mit den Ermordeten "starb", klingt fast wie ein später Triumph und muß nicht zutreffen. Denkbar ist, daß er bei den wenigen Überlebenden weiterexistierte und bis heute verehrt wird. Auf der Tafel fehlen Worte der Trauer und Reue sowie die Mahnung, das daß Geschehene weder vergessen werden noch sich in irgendeiner Form wiederholen darf. Die Bedeutung der hebräischen Zeilen bleibt den meisten Betrachtern der Tafel verborgen.

Die beiden letzten Fotos stammen von der Virtuellen Stadtführung der Lutherstadt Wittenberg.

1) "Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern [...] man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss." Luther war zeitweise ein erbarmungsloser Fanatiker, der gegen das Gebot der Nächstenliebe auf das Gröblichste verstieß.

Weiterführende Internet-Literatur:
(1) Heinrich Heine: Der Rabbi von Bacherach.
(2) Beschrieben wird Luthers Einstellung zu Muslimen, Juden und den sich unchristlich verhaltenden, nichtjüdischen eigenen Landsleuten. Auch Luthers Haltung zu Jesus, den alttestamentarischen Propheten und den jüdischen Quellen des Christentums wird dabei erläutert.
(3). Hier wird auf eine Hetzschrift Luthers gegen den Namen Schem Ha Mphoras eingegangen und über Widerstände von katholischer wie evangelischer Seite gegen Bemühungen berichtet, die beleidigenden "Judensau"-Skulpturen zu beseitigen oder wenigstens, wie in Wittenberg, durch Hinweistafeln o. ä. im heutigen, humaneren Sinn zu kommentieren.
Nachtrag Nov. 2016: Der britische Theologe Richard Harvey hat online eine Petition gestartet, in der er die Stadt Wittenberg auffordert, das "Judensau"-Schandbild abzumontieren, vgl. hier (Video).

Ergänzung:
Nichts mit Luthers Judenhass und seinem Verrat an den aufständigen Bauern haben sein Kampf gegen die Missstände in der damaligen (katholischen) Kirche, seine Bibelübersetzung und sein sprachschöpferisches Wirken für das Deutsche zu tun. - Durch die von seinem Landesherrn veranlasste Entführung auf die Wartburg wurde Luther sehr wahrscheinlich vor dem Feuertod gerettet, den Reformatoren wie Jan Hus und andere erleiden mussten:



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