In ihr wurde ich
konfirmiert, und seit dem Zusammenbruch der SED-Diktatur
besuche ich sie von weit außerhalb immer wieder.
und in der Krypta mit dem Sarg ihres Erbauers, König Friedrich Wilhelm IV.,
und dem seiner Gemahlin ein Marmorengel mit Posaune, um damit
zur Auferstehung der Toten zu blasen. Über dem bewußt als Tisch gestalteten
Altar erhebt sich ein goldener Baldachin mit weißer Taube, dem Symbol
des Heiligen Geistes.
In der evangelischen Gemeinde eines schleswig-holsteinischen
Dorfes, das mir während der deutschen Spaltung zur zweiten Heimat wurde
und in der ich seit einigen Jahren sonntags regelmäßig zu den
Gottesdiensten gehe, fragte der Pastor einmal nach der Bedeutung
des Wortes "Gotteshaus" oder "Haus Gottes". Er antwortete selbst,
daß Gott ein eigenes Haus nicht nötig habe, weil er überall wohnt,
insbesondere in den Herzen derjenigen, die an ihn glauben. Demselben Gedanken
begegnete ich auf einem gehaltvollen Informationsblatt, das an die Besucher
der Potsdamer Friedenskirche ausgeliehen wird und auch käuflich erworben
werden kann. Dort heißt es unter anderem:
"Viele Menschen empfinden eine tiefe Sehnsucht nach
spiritueller Erfahrung. Sie sind auf der Suche nach dem
Heiligen. Die Erhabenheit der Friedenskirche und des
umliegenden Ensembles nimmt diese Sehnsucht auf.
Zwar ist Gottes Gegenwart nicht an Kirchengebäude
gebunden, aber wir Menschen brauchen diese sinnlichen
Erfahrungsräume für die Vergewisserung unseres Glaubens."
"Der König weihte die Kirche 'dem Friedefürsten Jesu
Christo unserem Herrn'. Damit wollte er einen eigenen
theologischen Akzent setzen. Neben dem Palastbezirk,
der ein Leben 'ohne Sorgen' ('Sanssouci') als höchstes
Gut zu setzen schien, sollte fortan die Friedenskirche
auf die christliche Lebensperspektive verweisen."
Mit Freude las ich auch, daß die Friedenskirche (im
Gegensatz zu anderen Potsdamer Kirchen) die Kriegs-
und Nachkriegszeit unbeschadet überstand und in ihr
seit ihrer Errichtung ohne Unterbrechung sonn- und
feiertags evangelischer Gottesdienst stattfindet. Dies
ist in dem Teil des wiedervereinigten Deutschlands,
in dem jahrzehntelang eine religionsfeindliche, atheistische
Partei an der Macht war, etwas Besonderes. Wie viele
Kirchen, vor allem in kleineren Städten und Gemeinden,
sind sonntags so gut wie leer, wurden geschlossen oder
zu Museen umgewandelt!
Von den Kirchen Potsdams, meiner alten Heimatstadt,
und seiner Umgebung ist mir die Friedenskirche
am
Rande des Parks von Sanssouci die liebste.
Sie wurde vor rund 160 Jahren nach italienischem Vorbild erbaut, enthält in der
Apsis ein wunderbares Mosaik im byzantinischen Stil und
weitere religiös-archtitektonische Kostbarkeiten. Im Vorhof
steht eine eindrucksvolle, segnende Christusfigur

Das ist, finde ich, sehr schön und treffend gesagt.
Weiter heißt es in dem genannten Informationsblatt:
Herrn Stadtkirchenpfarrer Martin Vogel und seinen Mitarbeitern
bin ich für die genannten Ausführungen dankbar. Weiteres über die
Friedenskirche findet man im Internet unter http://evkirchepotsdam.de/frieden/system.asp. (2004)
Nachtrag, März 2010:
Friedrich Wilhelm IV. war religiös und christlich eingestellt; dennoch ließ er während der Revolution von 1848 in Berlin unbarmherzig auf Menschen schießen, meist einfache, arme Leute, die sich gegen die anrückenden Truppen des Königs verbarrikadiert hatten. Auf dieser Internetseite meines Bruders Helmut Caspar [1] kann man dazu lesen:
» . . . Zwar verneigte sich Preußens König Friedrich Wilhelm IV. vom Berliner Schloss aus vor den „Märzgefallenen“, die in einem langen Konvoi an ihm vorbei hinaus zum Friedhof der Märzgefallenen an der Landsberger getragen wurden. Aber insgeheim bereitete er die Revanche vor und war dabei der festen Meinung, dass gegen Demokraten nur Soldaten helfen. In seinem Aufruf „An meine lieben Berliner“ behauptete der um seine Herrschaft bangende Monarch, eine „Rotte von Bösewichtern, meist aus Fremden bestehend“ hätte das Blutvergießen verursacht. . . .«
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[1] seine ganze Homepage
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