Weitere Anmerkungen zum Glaubensbekenntnis

Das Apostolische Glaubensbekenntnis enthält die Zeilen
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel .

Manche Kritiker meinen, der Sonntag, an dem Christus auferstand, sei erst der zweite Tag nach dem Karfreitag, an dem er gekreuzigt wurde. Diesem Einwand ist leicht zu begegnen. Der bei der Kreuzigung noch nicht vollendete Tag wird einfach mitgezählt und ist somit der erste. Dasselbe geschieht bei uns, wenn wir sagen "heute in acht Tagen", aber meinen "heute in einer Woche", d. h. in sieben Tagen.

Schwerer wiegt etwas Anderes. Wenn Jesus erst am dritten Tag von den Toten auferstand, scheint das nicht zu Lukas 23,43 zu passen. Dort wird berichtet, daß Jesus einem der beiden Gekreuzigten neben ihm versprach: "Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein." (Kursive Hervorhebung von mir.) Eine Möglichkeit, diesen Konflikt zu beheben, wird hier durch geeignete Setzung eines Kommas in dem ursprünglich kommalosen Bibeltext versucht. Die am meisten verbreiteten, deutschsprachigen Bibelausgaben (Luther-Übers.1984, Elberfelder Bibel, Hoffnung für alle, Schlachter, Neue Genfer und Einheitsübersetzung) folgen dem nicht. Im Gegensatz dazu steht die weniger bekannte Konkordante Bibelübersetzung.¹ Bei ihr heißt es in Lukas23,43: "Jesus antwortete ihm: «Wahrlich, dir sage Ich heute: Mit Mir wirst du im Paradiese sein.»"

Bei den Bemühungen, die beiden Zeitangaben "am dritten Tag" und "heute" miteinander in Einklang zu bringen, wird im allgemeinen nicht näher auf das Reich des Todes und das Paradies eingegangen. Ebenso wenig wird Genaueres über diese beiden biblischen Orte in evangelischen und katholischen Gottesdiensten berichtet. Dagegen ist der Aufenthalt Jesu im Totenreich vor allem zu Ostern in der Ostkirche zentrales Thema, vgl. z. B. hier sowie hier (4. Abschnitt).

In einer im Internet zu findenden Predigt werden beide zugleich betrachtet: das Reich des Todes und das Paradies. Unter diesem wird dabei nicht nur wie im 1. Buch Mose der Garten Eden² verstanden; vielmehr ist es dort, wo Jesus ist. Und wenn Er, der Heiland, zu dem reuigen "Schächer" sagt: "Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein", so bedeutet das, daß dieser auch nach seinem Tod bei Jesus bleiben wird. Eindrucksvoll sind dazu die Erläuterungen im vorletzten Absatz von Abschnitt 4. - Das darin wiedergegebene Verständnis des Paradiesbegriffs, welches das herkömmliche nicht ausschließt,³ beseitigt den oben genannten scheinbaren Widerspruch zwischen dem Apostolischen⁴ Glaubensbekenntnis und Lukas23,43 und macht Spekulationen über Zeichensetzung unnötig. Die Predigt basiert in weiten Teilen auf einem Buch des mit neunzig Jahren verstorbenen Mathematikprofessors Hans Rohrbach. Aus mehreren Gründen bewegt sie mich sehr.
-----------------------
¹6. Aufl. 1995
²Wikipedia
³Nach christlicher Glaubensüberzeugung bildet Jesus mit Gott als Vater und dem Heiligen Geist eine untrennbare Einheit. So war er auch - unsichtbar - mit dabei, als Gott in Eden zu Adam und Eva sprach.
⁴Im Nicaenum fehlt die Zeile "hinabgestiegen in das Reich des Todes".

Zurück zur Vorseite