Was ich in einem Mathe-Forum lernte

In einem Forum, das sich mit Mathematik und Physik beschäftigt und mir sehr sympathisch ist, kommt es gelegentlich zu Diskussionen über das Thema "Religion und (Natur)wissenschaft". Dabei betonen einige Teilnehmer aggressiv ihre atheistische Einstellung und bleiben nicht immer sachlich. Es kommt sogar zu der Aufforderung, daß die Religion "bekämpft" werden müsse. In solchen Fällen mische ich mich ein, bemüht, nicht in denselben Ton zu verfallen. Meist zeigt sich, daß es sehr schwierig ist, jemanden, der sich auf eine bestimmte Meinung festgelegt hat, für etwas Anderes zu gewinnen. Argumente werden unvollständig und dadurch sinnentstellt wiederholt, um anschließend "widerlegt" zu werden. Oder man geht überhaupt nicht auf sie ein, setzt die Vorwürfe gegen die Religion fort, schimpft weiter auf die "Kirche" und versucht, den Glauben an Gott schlechtzumachen.

Nicht alle schreiben so, und der Beitrag eines gläubigen Christen gefiel mir besonders. Kurze Zeit später war er zu meinem Erstaunen aus dem thread gelöscht, und zwar von dem Betreffenden selber. Als ich ihn privat nach dem Grund fragte, enthielt seine Antwort das folgende Zitat des Heiligen Ambrosius:

"Der Gerechte aber hat die Pflicht, sich nichts merken zu lassen, nichts zu erwidern, die Pflicht des guten Gewissens zu bewahren, mehr dem Urteil der Guten als der Unverschämtheit eines Lästermauls anheimzufallen und damit zufrieden zu sein, die Würde im Verhalten bewahrt zu haben."
Er ergänzte es durch die Bemerkung, daß er sich zur Maxime gemacht habe, danach zu handeln. "Manch eine Diskussion", so schrieb er mir, "wird provoziert, und jedes zur Klarstellung gesagte Wort dient dem Provokateur als Nahrung, ... " - da ist gewiß etwas Wahres dran.

So werde auch ich mich stärker zügeln und bin für den erhaltenen Ausspruch des Heiligen, der von 339 bis 397 lebte und als Erzbischof in Mailand wirkte, dankbar.

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